Mein Name ist Bernhard Gmeiner. Ich bin Lehrer am GRG 15 Auf der Schmelz in Wien und unterrichte dort Englisch sowie Geographie und wirtschaftliche Bildung. Das mache ich seit 15 Jahren, und ich mag den Beruf noch aus demselben Grund wie am Anfang: Schule kann mutiger sein, als sie sich oft traut.

KI im Klassenzimmer
Seit generative KI in den Schulalltag eingezogen ist, hat sich mein Beruf grundlegend verändert. Ich gehöre zu denen, die diesen Prozess nicht nur als Chance oder Bedrohung framen, sondern als Auftrag an alle Lehrpersonen verstehen. Meine Haltung dazu ist eindeutig. Wenn mich Schüler:innen fragen, ob ein Arbeitsblatt mithilfe von KI entstanden ist, sage ich offen ja. Transparenz ist nicht verhandelbar. Lehrpersonen sind keine Detektiv:innen, und die Jagd nach dem Schummeln führt in die Sackgasse. Die spannendere Frage lautet: Wie bewerten wir Lernen, wenn das fertige Produkt auf Knopfdruck entsteht?
Über all das schreibe ich seit 2024 in meiner monatlichen Blog-Kolumne „KI im Klassenzimmer“ auf derstandard.at. Hier möchte ich die umfangreiche Bandbreite an Perspektiven aus der Sicht eines Praktikers sammeln und neue Wege in dieser Bildungsrevolution aufzeigen. Daneben habe ich mehrere frei verfügbare Praxishandbücher veröffentlicht, darunter „Ohne Shortcut zur Leistung“ zu KI-resistenten Aufgabenformaten und „Codes im Klassenzimmer“, einen Guide zu den versteckten Symbolen der Manosphere und der Neuen Rechten.
Schmelzgespräche
Mein Herzensprojekt sind die Schmelzgespräche. Seit rund sechs Jahren hole ich Menschen an die Schule, von denen meine Schüler:innen sonst nur in den Nachrichten hören. Allein mache ich das nicht: Ein Team aus Oberstufenschüler:innen plant mit, entwickelt die Fragen und steht mit auf der Bühne. Das ist mir das Wichtigste daran.
Zu Gast waren unter anderem Armin Wolf, Alma Zadić, Leonore Gewessler, Manuel Rubey, Barbara Blaha und Hannelore Veit. Zur EU-Wahl 2024 habe ich gemeinsam mit einer Schülerin eine Elefantenrunde mit allen Spitzenkandidat:innen moderiert, vor hunderten Jugendlichen. Im vergangenen Schuljahr habe ich das Format erstmals für die Unterstufe geöffnet, mit Checker Tobi. Den musste ich am Ende durch den Lehrer:innenausgang schmuggeln, so groß war der Andrang. Kurz darauf war Bildungsminister Christoph Wiederkehr da. Nicht jedes Vorhaben klappt: Eine geplante Elefantenrunde zur Nationalratswahl ist mir kurz davor geplatzt. Auch das gehört dazu. Mehr auf schmelzgespraeche.at.
Speaker und Autor
Als Speaker und Workshopleiter bin ich quer durch Österreich unterwegs, vor Lehrkräften, Eltern und Organisationen, die KI ernsthaft und kritisch angehen wollen. Bei der KI-Tagung der Virtuellen PH habe ich vor hunderten Lehrenden gesprochen. Beim Tag der Medienkompetenz von STANDARD und ORF saß ich mit dem Bildungsminister und der Medienexpertin Ingrid Brodnig am Podium, die Debatte lief später auf ORF III. Und neben Auftritten auf FM4 und in ZIB2-Beiträgen kam für die Ö1-Sendung „Mitschülerin KI“ das Mikrofon in meinen eigenen Unterricht.
Mich treibt dabei eine Frage an: wie junge Menschen mündig bleiben, wenn Desinformation, Deepfakes und Chatbots zum Alltag gehören. Die Technik ist nur Mittel zum Zweck. Eine Sorge beschäftigt mich besonders, dass Kinder ihre Probleme inzwischen lieber einer KI erzählen als einem Menschen. Dagegen hilft kein Tool, sondern Haltung. Genau die will ich weitergeben.
Daneben schreibe ich regelmäßig für Zeitungen, Magazine und Fachpublikationen. Meine Beiträge sind unter anderem im Kurier, im Familienmagazin familiii und in Whitepapers und Fachportalen für Lehrkräfte erschienen. Die kurze Kolumne und der ausführliche Fachartikel reizen mich gleichermaßen, weil sie ganz unterschiedliche Menschen erreichen.
Abseits der Schule
Wenn ich nicht über Schule nachdenke, bin ich mit dem Rad in Wien unterwegs, gehe Laufen oder leide bei einem Spiel von Manchester United mit. Ich reise gern, am liebsten nach Island. Das Wichtigste bleibt die Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Kindern.