Busy Fall: Rückblick auf einen umtriebigen Start in die zweite Jahreshälfte

Eigentlich wollte ich den Sommer ruhig angehen. Das hat nicht ganz geklappt. Zwischen Sommer- und Herbstferien haben sich so viele Termine und Texte angesammelt, dass ich sie hier einmal sammeln möchte, bevor der November mit den nächsten kommt.

Zwei Texte, die eingeschlagen haben

Auf meinem Blog KI im Klassenzimmer beim STANDARD sind zwei Texte erschienen, die mehr Echo ausgelöst haben als viele davor. Im August ging es in „Das Wasserzeichen wird uns nicht retten“ um die Hoffnung vieler Schulen auf den perfekten KI-Detektor. Diese Hoffnung wird auch diesmal enttäuscht. Ich halte das sogar für eine gute Nachricht: Lehrpersonen sind keine Detektiv:innen. Die eigentliche Frage lautet, wie wir Leistung bewerten, wenn Produkte auf Knopfdruck entstehen. 183 Kommentare später weiß ich, dass diese Frage sehr viele Menschen beschäftigt.

Ende September folgte „Blindflug oder Kompass: Wo steht Ihre Schule bei KI?“, ein Selbstcheck in fünf Stufen. Damit können Schulen ehrlich einschätzen, wo sie beim Thema KI gerade stehen. Diesen Selbstcheck nehme ich jetzt auch in meine Vorträge und Fortbildungen mit.

Forum Alpbach

Von 31. August bis 2. September war ich auf Einladung des Bildungsministeriums beim Europäischen Forum Alpbach. Beim Ankommen war ich ehrlich gesagt ziemlich sprachlos: an jeder Straßenecke bekannte Gesichter. Das hat sich zum Glück bald gelegt.

Mein Part war die Panel-Diskussion „Vision and Responsibility: Schools in the Age of AI“. Ein richtig gutes Gespräch, das Spaß gemacht hat. Im Publikum saß eine ehemalige Schülerin von mir. Vor einigen Jahren war sie noch in meinem Klassenzimmer, jetzt trifft man sich in Alpbach. Schön war das.

Die restliche Zeit durfte ich als Teilnehmer genießen. Ich war beim Panel zur Frage, ob Europa auf einen hybriden Krieg vorbereitet ist (die Antwort am Podium war einstimmig: nein), bei der Session zum Wettlauf um Superintelligenz, bei einer Einheit zu Risk Literacy und zum Abschluss bei „Gender, Algorithms and the Future of Democracy“. Dem Ö1-Mittagsjournal habe ich vor Ort ein kurzes Interview zum neuen Fach Informatik & KI gegeben, zu hören war es im Beitrag vom 2. September.

Am meisten in Erinnerung bleibt mir aber die Stimmung im Ort. Ich habe so viele spannende Menschen kennengelernt: Leute aus der ersten und zweiten Reihe der Politik, Medienmenschen und Persönlichkeiten aus Branchen, mit denen ich sonst nie zu tun habe. Eine dieser Begegnungen hat schon Folgen. Mit dem Militäranalysten Franz-Stefan Gady bin ich ins Gespräch gekommen, und im November kommt er zu uns an die Schule (mehr dazu weiter unten). Ein top Ferienabschluss. Am Tag danach ging der Schulalltag los, mit Wiederholungsprüfungen.

Zwei Podcasts

Noch während ich in Alpbach war, ist beim STANDARD die Folge des Podcasts Edition Zukunft online gegangen, für die ich eingeladen war. Sie heißt „Wie viel KI braucht die Schule der Zukunft?“ und ist wirklich fein geworden. Sie beginnt mit einer Frage, die mich seit vier Jahren begleitet: „Wie unterrichtet man, wenn Maschinen mühelos Aufsätze schreiben, Gleichungen lösen und Präsentationen erstellen können?“

Zum Auftakt der neuen Staffel war ich dann beim EduFunk-Podcast zu Gast. Mit Anna Gombocz und Björn Braun habe ich über das neue Schuljahr gesprochen, und darüber, was Lehrkräfte und Schüler:innen jetzt brauchen, damit es gut wird. Die Folge ist seit 20. September online.

Dreharbeiten für Dok 1

Für die ORF-Dokumentation „Dok 1: Dumm durch KI – Wie wir das Denken verlernen“ war ein Drehteam bei uns am GRG 15 Auf der Schmelz. Lisa Gadenstätter lässt darin 48 Stunden lang eine KI für sich entscheiden und fragt, wie aus Bequemlichkeit Abhängigkeit wird. Gedreht wurde vier Stunden lang, gezeigt wurden am Ende ungefähr drei Minuten: ein Schüler aus meiner Klassenvorstandsklasse und ich, im Gespräch darüber, wie KI in den Schulalltag eingezogen ist. Die Dreharbeiten mitzuerleben war spannend, und die Zusammenarbeit mit Lisa Gadenstätter war sehr angenehm. Die Folge lief am 16. September auf ORF 1 und ist in ORF ON nachzusehen.

Zwei Podien

Am 10. September durfte ich bei der Botschafter:innenkonferenz des Außenministeriums auf dem Panel „Diplomatie und KI“ sprechen. Mein Part war die Perspektive Mensch: Welche Kompetenzen brauchen wir, und wie lernen wir sie, wenn KI überall mitarbeitet? Eine Schule kommt in solchen Runden selten vor. Umso wichtiger fand ich es, dass sie diesmal dabei war.

Einen Monat später ging es nach Loipersdorf zum CIO-Kongress. Auf dem Panel „The Value-Skill Gap: Zwischen Schulbank und KI-Fabrik“ saß ich mit Bildungsminister Christoph Wiederkehr. Für mich war vor allem der Blick der Wirtschaft extrem spannend: Was erwarten Unternehmen eigentlich von der Bildung, wenn es um KI geht? So direkt hört man das als Lehrer selten. Meine eigenen Standpunkte konnte ich gut einbringen, auf dem Panel und beim Salongespräch danach.

Die HÜ, die keine mehr ist

Für den Veriblog habe ich aufgeschrieben, was KI mit der klassischen Schreibhausübung macht. Kurz gesagt: Detektoren und Wasserzeichen lösen das Problem nicht. Das Schreiben gehört deshalb zurück in die Stunde, mit Feedback und Überarbeitung, und bewertet wird auch der Prozess. Meine Faustregel für die Aufgabenwahl: „Würde ChatGPT sie in 30 Sekunden erledigen? Dann ist sie eine gute Kandidatin für die Stunde statt fürs HÜ-Heft.“

Schmelzgespräche

Am 22. September war Natascha Fürst bei uns im Atrium zu Gast. Mit eXXpedition, einer reinen Frauencrew, hat sie den Atlantik und den Südpazifik überquert. Alle 4. und 5. Klassen waren dabei, organisiert im Rahmen des Weltmädchentag-Projekts von Plan International. Eine Stunde lang ging es um Mut, Meere und die Frage, wer eigentlich festlegt, was Mädchen sich zutrauen dürfen.

Am 24. November folgt Franz-Stefan Gady, den ich in Alpbach kennengelernt habe. Sein Schmelzgespräch heißt „Wie erklärt man Krieg? Die Welt 2026 verstehen“. Vorbereitet und moderiert wird es wie immer von unseren Schüler:innen.

re:publica Vienna

Anfang Oktober fand in der Anker Brotfabrik die allererste re:publica in Wien statt, und es war richtig toll. Ich habe terminlich leider nur zwei Halbtage geschafft und versucht, so viele Keynotes wie möglich mitzunehmen. Eröffnet haben Barbara Blaha und Leonhard Dobusch vom Moment Magazin gemeinsam mit Andreas Gebhard, einem der Gründer der re:publica.

Hängen geblieben sind mir vor allem Aya Jaff über Militarisierung, die leise in den Alltag rutscht, und Florian Aigner über Transhumanismus als Heilsversprechen. Dazu kamen Florian Klenk über Investigativjournalismus als Handwerk, Ingrid Brodnig über Deepfakes, Propaganda und KI-Inhalte sowie Madita Oeming über sexuelle Medienkompetenz.

Am Samstag, dem 3. Oktober, stand ich dann selbst auf Bühne 3. In meinem Vortrag „KI im Klassenzimmer: Was wir verlieren, was wir gewinnen und was die Politik jetzt entscheiden muss“ habe ich auf vier Jahre KI in der Schule zurückgeschaut, seit ChatGPT im Herbst 2022 in den Klassenzimmern gelandet ist. Was hat sich für Schüler:innen und Lehrer:innen verändert? Und was hat die Politik in dieser Zeit verschlafen oder richtig gemacht? Ich fand es richtig cool, dass auch Bildung dort Platz hatte und ich als Lehrer meine Perspektive einbringen konnte. Danke an das Team der re:publica und an das Moment Magazin für die Einladung!

Scheibe um Scheibe

Besonders stolz bin ich auf meinen Gastkommentar in der aktuellen Ausgabe von ON. Lernen in der digitalen Welt (Nr. 26/2026, Friedrich Verlag). Unter dem Titel „Scheibe um Scheibe“ schreibe ich über die Debatte rund um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche, wobei ich, angelehnt an die Corona-Maßnahmen, dafür plädiere, mehrere unvollkommene Maßnahmen aneinanderzureihen, weil das mehr bringt als die Suche nach der einen perfekten.

Don’t Panic wächst, und ein neuer Raum

Der Matura Writing Guide ist seit dem Frühjahr weitergewachsen. Dazugekommen sind eine Version für BHS, eine Seite, auf der Schüler:innen Texte selbst wie Prüfer:innen bewerten, und ein Gemini Notebook-Begleiter mit Audio-Erklärungen zu jeder Textsorte.

Ganz neu ist der Writing Room. Dort entsteht ein englischer Modelltext gemeinsam mit der ganzen Klasse am Beamer, Entscheidung für Entscheidung. Die Schüler:innen stimmen mit A/B/C/D-Karten ab und sehen dann, warum eine Variante funktioniert und eine andere nicht. Danach schreiben alle das Gerüst ins Heft und formulieren selbst weiter. Rund 60 Schreibpakete gibt es schon, von der Urlaubspostkarte bis zum Essay nach SRDP-Standard, für die 5. bis 12. Schulstufe. Wer Englisch unterrichtet: Probiert es aus und schreibt mir, was fehlt.

Und im November?

Am 12. November halte ich die Eröffnungs-Keynote beim KI-Thementag der Interpädagogica in Linz. Der Titel ist eine Frage, auf die ich nach diesem Herbst ein paar Antworten mehr habe als im Sommer: „KI im Klassenzimmer – Was wir verlieren, was wir gewinnen?“

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